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In der ungarischen Hauptstadt Budapest teilt und vereint die Donau . Sie trennt Buda von Pest, Hügel von der Ebene, West von Ost. Gleichzeitig verbindet sie die beiden Stadthälften durch Brücken, die zu Symbolen der Identität geworden sind. Zu ihnen gehören die Kettenbrücke, die Freiheitsbrücke und die wiederaufgebaute Elisabethbrücke. Der Fluss ist hier nicht bloß Kulisse, sondern bildete seit jeher die zentrale Achse für Prozessionen, Revolutionen und das alltägliche Leben entlang seiner Ufer.

 

Das Wasser in Budapest ist auch ein tiefgründiges Mahnmal. Entlang der Donaupromenade steht das Denkmal „Schuhe am Donauufer“ für die Juden, die während des Zweiten Weltkriegs in den Fluss geworfen wurden. Das Wasser trägt gewissermaßen die Erinnerung an Gräueltaten und Verluste in sich, während es unaufhaltsam weiterfließt. An diesem Ort symbolisiert die Donau sowohl Kontinuität als auch Trauer. Sie wird zu einem Archiv des Schmerzes, das sich dem Schweigen widersetzt.

 

Gleichzeitig bezieht die Stadt ihre Vitalität auch aus Thermalwasser . Budapest ist als „Stadt der Bäder“ bekannt und beherbergt Dutzende von Bädern, die von Mineralquellen gespeist werden. Dieses Wasser besitzt eine ganz besondere Bedeutung. Es symbolisiert Heilung, Erholung und das gemeinsame Eintauchen in die Natur. Ein Bad zu betreten bedeutet, sich mit Fremden zu einem gemeinsamen Ritual der Fürsorge zu verbinden. Diese Praxis erinnert an Traditionen, die bis zu den osmanischen Hammams und der österreichisch-ungarischen Badekultur zurückreichen. In diesen Umgebungen wird Wasser zum Medium der Geselligkeit und Erneuerung und gleicht so die Last der Geschichte des Flusses aus.

 

Gleichzeitig ist die Donau heute ein ökologisch gefährdeter Ort. Sie leidet unter der Verschmutzung durch Industrie und Städte flussaufwärts. Es besteht eine ständige Hochwassergefahr und immer wiederkehrende Debatten darüber, wie Entwicklung und Naturschutz in Einklang gebracht werden können.

 

Diese sich überschneidenden Erzählungen regen uns dazu an, zu fragen: Wie kann ein Fluss solche Widersprüche von Erinnerung und Heilung, Trauma und Fürsorge verkörpern, und was bedeutet es, dem Wasser zuzuhören, das zugleich Grab und Bad, Grenze und Brücke ist?

 

In Budapest fanden diese Erkundungen im Rahmen eines Workshops in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ferencváros statt, der im Mester Galéria és Közösségi Tér (1095 Budapest, Mester utca 5) stattfand.

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