

body.motion.etch (2025), Artists Studios/Art Cube, Jerusalem (Einzelausstellung)
Kuratiert von: LeeHe Shulov
In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Israel
body.motion.etch erforscht eine verkörperte Auseinandersetzung mit Sexualität jenseits heteronormativer Sprache. Das Werk dringt durch lithografische Performance und akustische Forschung zum Wesen des körperlichen Ausdrucks vor und untersucht die Spuren, Abdrücke und Rückstände, die Körper hinterlassen. In diesem Projekt ist der Körper nicht nur Gegenstand – er wird selbst zum Zeichenwerkzeug, wodurch die traditionellen Grenzen der Lithografie bewusst überschritten werden.
In der Lithografie vermeiden Künstler üblicherweise sorgfältig den Kontakt mit der Druckplatte, um sie vor versehentlichen Spuren durch Öl oder Schweiß zu schützen. Hier jedoch werden diese „Zufälle“ selbst zum Medium. Mit in lipophile Materialien verwandelten Aluminiumdosen bedeckte die Künstlerin eine Bühne, die für performative Interaktion und Tanz konzipiert ist. Entkleidet von der Industriebeschichtung, wird die Dosenoberfläche zu einem intimen Untergrund, der die Nuancen der Berührung einfängt. Mikrofone im Inneren der Bühne zeichnen ihre Klangdimension auf. Geräusche wie das Gleiten von Öl oder das Tropfen von Schweiß verschmelzen zu einer vielschichtigen Klanglandschaft, einem Hauch von Körper, der auf Metall trifft und einen sinnlichen und verletzlichen Dialog mit sich selbst und anderen markiert.
Jeder Eindruck verkörpert die Resonanz und Dissonanz der Identitäten und Erfahrungen der Teilnehmenden; die Spuren und Klänge illustrieren eine körperliche Erzählung, die sich der herkömmlichen Sprache entzieht. Die Sammlung dieser Gespräche bildet ein Archiv multisensorischen Austauschs. Die Ausstellung lädt die Betrachtenden ein, einen Moment verkörperter Kommunikation mitzuerleben – ein Gespräch, das nicht gesprochen, sondern direkt vom Körper in Metall eingraviert wird und so einen unmittelbaren, haptischen Ausdruck schafft, der multisensorisch erfahrbar ist.
Die Künstlerin widmet sich nachhaltigen Drucktechniken und betrachtet die Qualität von Alltagsmaterialien, deren Eigenschaften den explorativen Bedürfnissen dieses Projekts gerecht werden können. Sie hofft außerdem, neue Wege der Anwendung traditioneller Techniken wie der Lithografie zu inspirieren und neue Möglichkeiten zu schaffen, diese in kommunikative Sichtweisen auf die menschliche Interaktion zu verwandeln.
body.motion.etch ist ein kreatives Manifest – verwurzelt in Transformation, Verbindung und Achtsamkeit. Durch die Wiederverwendung alltäglicher Materialien wie Aluminiumdosen zu Lithografieplatten lädt das Projekt dazu ein, Abfall als Chance neu zu betrachten, in der Einfallsreichtum sowohl Medium als auch Botschaft wird. Die Vergänglichkeit dieser Materialien spiegelt die Unbeständigkeit unserer eigenen Spuren wider und mahnt zu einem tieferen Bewusstsein für unseren Umgang mit der Umwelt.
Gleichzeitig regt die Auseinandersetzung des Werks mit körperlichem Ausdruck und Transformation zu einer differenzierten Geschlechterdiskussion an. Es entstand in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlerinnen in Jerusalem und stellt traditionelle Hierarchien in der Kunst hinterfragt, indem es den Körper nicht als passives Subjekt, sondern als aktives, expressives Werkzeug positioniert. Das Einprägen der Körperspuren in das Material selbst kann als Metapher dafür verstanden werden, wie Geschlecht nicht nur performativ, sondern auch tief in Körperlichkeit und Materialität verwurzelt ist.
Durch Workshops und Performances schafft dieses Werk einen gemeinsamen Raum für Dialog – einen Ort, an dem Körper, Identitäten und Gemeinschaften aufeinandertreffen. Jeder Druck und jede Geste wird zu einem bedeutungsvollen Faden in einer größeren Erzählung und verwebt Stimmen und Geschichten zu einem gemeinsamen künstlerischen Dialog.











